Fensterrahmen einer Baracke im KZ Loibl Nord (Oberflächenfund), 1943/1945

Fensterrahmen einer Baracke im KZ Loibl Nord, 1943/1945
Holz, Textilband 
Tržiški muzej, Slowenien, DSV-0004, Schenkung des ehemaligen Häftlings Henri Hochman
© Milan Malovrh

Henri Hochman (1923–2016) wurde in eine aschkenasische Familie aus Lublin geboren. Der zunehmende Antisemitismus in Polen veranlasste seine Familie zur Emigration nach Frankreich. Dort wurde er als Mitglied der Kommunistischen Partei unter dem Decknamen Lucien Chabrerie im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv. Am 11. November 1943 verhaftete man ihn in Grenoble bei der Teilnahme an einer verbotenen Gedenkfeier für den Sieg der Alliierten über Deutschland im Ersten Weltkrieg. Seine gefälschten Papiere bewahrten ihn davor, als Jude identifiziert und in ein polnisches Vernichtungslager geschickt zu werden. Über das Internierungslager Compiègne wurde er am 22. März 1944 in das KZ Mauthausen und von dort unter der Häftlingsnummer 59.704 in das Außenlager am Loiblpass deportiert.

 

Jeden Augenblick seiner Gefangenschaft erlebte Henri Hochman als Qual. Schläge und Todesangst, Hunger, Durst und Kälte bestimmten den Gefangenenalltag ebenso wie die Ungewissheit über das Schicksal seiner Familie, nicht zuletzt auch die Furcht vor der Aufdeckung seiner jüdischen Identität.


Nachdem das KZ Loibl Nord am 8. Mai 1945 von Tito-Partisanen befreit worden war, schloss sich Henri Hochman zusammen mit 121 anderen Deportierten der Partisanenbrigade Liberté an. Ihr größter Verdienst war die Ergreifung von SS-Männern aus dem Loibl-KZ am 11. Mai 1945, darunter der Lagerführer Jakob Winkler und der Lagerarzt Sigbert Ramsauer. 

 

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde Hochman rasch bewusst, wie schwierig es war, von seinen Erfahrungen in den Konzentrationslagern zu berichten. Nur wenige Menschen waren bereit, ihm zuzuhören, ohne ihn für verrückt zu erklären. Das Leid der KZ-Häftlinge erschien den meisten unvorstellbar. In Paris musste er zunächst viele Wochen in einem Erholungsheim verbringen. Danach arbeitete er in der Bekleidungsindustrie und führte dann bis ins Alter von 80 Jahren sein eigenes Unternehmen. Hochman starb am 12. August 2016 in Neuilly-sur-Seine.


Während eines Besuches erzählte Henri Hochman dem Historiker und Autor Christian Tessier von einem Holzfenster einer Häftlingsbaracke, das er in den 1950er-Jahren aus den Trümmern des Nordlagers am Loibl geborgen hatte und das er bewahren wollte. Dieses Überbleibsel des Lagers bedeutete ihm viel: Der Fensterrahmen stammte von jener Baracke, in der er selbst untergebracht gewesen war. Damit war der Rahmen ein Zeugnis für das Martyrium der KZ-Häftlinge. 2010 schilderte Hochman in einem Interview mit Ute Bauer-Wassmann lebhaft, dass seine Baracke im Winter 1944/1945 unter der massiven Schneelast zusammengebrochen war. Daraufhin wurden die Betten aus seiner Baracke auf die übrigen aufgeteilt. Die Häftlinge mussten nach der Schwerstarbeit im Loibltunnel in den von 
Schnee und Kälte gefrorenen Betten schlafen.
 

Auf Wunsch von Henri Hochman wurde der Fensterrahmen dem Museum im slowenischen Tržič, in dem die Geschichte des Loibl-KZ dargestellt wird, übergeben.
Seit 2015 ist er dort Teil der Dauerausstellung.

 

Jana Babšek, Christian Tessier, Ute Bauer-Wassmann

KZ Loibl Süd

Postkarte

  • Fensterrahmen
  • Okensko krilo barake
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